Jetzt bin ich, die Henny, mal mit erzählen dran, wie
es uns so in der Familie Strehl geht:
Wir wohnen in
Waldheim/Sachsen, im Vorerzgebirgsland und sind voll in
das Familienleben integriert. Unser Hundeleben ist schon
ganz schön ausgefüllt.
Früh beizeiten, manchmal schon zu zeitig, weckt uns
Herrchen und dann gehen wir nach der Morgentoilette
(Bürsten, Kämmen, Schlafaugen säubern) in unser Revier,
das idealerweise gleich an der Haustür beginnt. Ich
glaube, Herrchen ist so früh auch noch etwas müde, denn
da können wir »herumlumpern«, grad wie es uns gefällt.
Wieder zu Hause, gibt es ein herrliches Leckerchen. Als
Trostpflaster, denn wir sind dann meist allein. Frauchen
ist schon lange weg zur Arbeit und Herrchen fährt oft
auch weg. Manchmal arbeitet er aber auch zu Hause. Dann
ist es viel schöner. Wir können mit im Arbeitszimmer
liegen. Bloß stören dürfen wir ihn nicht. Machen wir auch
nicht. Wir sind so froh, dass wir ganz mucksmäuschenstill
sind. Eigentlich gehört uns das ganze Grundstück. Bis auf
die Gartenbeete dürfen wir überall hin. Am schönsten
ist es abends oder bei schlechtem Wetter, da sind wir in
der Wohnung, liegen auf unseren großen Polstersesseln und
können von da alles was geschieht wunderbar verfolgen.
Auf andere Polstermöbel dürfen wir nicht. Ich habe es
auch gar nicht lange versucht. Der Ärger war mir einfach
zu groß.
Nachmittags gehe ich mit Herrchen noch mal los. Früher
ging Cliff auch mit. Aber neuerdings macht ihm seine
Bandscheibe zu schaffen, so dass er auf Frauchen warten
muss. Sie geht dann eine viel kleinere Strecke mit
ihm.
Ich freue mich riesig, wenn Herrchen kommt. Ich kann
da richtig lachen. Am Nachmittag geht das allerdings mit
der »Herumlumperei« meist nicht mehr. Ich muss dann
arbeiten, sagt Herrchen. Aber das ist wirklich ein Klacks
für mich.
Ich muss am Fuß gehen, sitzen, ablegen. Er lässt mich
auch mal liegen und geht weg. Viele, viele Minuten. Dann
knallt irgendwo seine Flinte. Ich bleibe aber eisern
liegen. Das hat er mir so gelernt. Aber ich würde doch
auch zu gerne ……
Herrchen ist auch schusselig. Ab und an verliert er
etwas aus seiner Hosentasche. Leider nie die Leckerchen.
Das darf ich dann holen. Geht rucki – zucki.
Hat er den Rucksack mit, gibt es viel Arbeit. Ich muss
warten, bis er mit einem ganz leichten Rucksack
zurückkommt. Dann muss ich suchen. Ich weiß doch ganz
genau, dass er irgendwo im Busch einen Hasen oder Fuchs
für mich versteckt hat. Ich bringe ihn meist zum Staunen.
Mehr als fünf Minuten habe ich wohl noch nie gebraucht.
Den Hasen habe ich lieber, denn der alte Reinecke ist für
mich Zierliche verdammt schwer.
Ich mache das alles sehr gerne. Erstens gibt es – habe
ich es gut gemacht – ein prima Leckerchen und zweitens
kann ich nach der Arbeit über die Wiesen flitzen und im
Bach baden gehen.
Manchmal muss ich auch eine Schweißfährte ausgehen.
Früher habe ich lange gebraucht, um zu verstehen, was
Herrchen von mir wollte. Jetzt kann ich das ganz gut. Am
besten ist aber eine echte Nachsuche. Im vorigen Herbst
schoss unser Jagdkamerad am Mais einen Frischling an. Ich
habe ihn dann nach 400 m im Mais gefunden. War mir ein
bissel unheimlich da drin, aber dann war ich so was von
stolz, als ich ihn gefunden hatte.
Zur Jagd könnte ich jeden Tag gehen. Da liege ich auch
gern drei Stunden ohne Muckser unter der Ansitzleiter.
Habe ich von meinem Vater, dem Cliff, gelernt, als wir
noch gemeinsam zur Jagd gehen konnten.
Meine Spezialität ist Enten stöbern. Da überhöre ich
Herrchens Hereinkommenpfiff schon mal, wenn da noch eine
Ecke Schilf zu durchstöbern ist. Vielleicht ist ja doch
noch eine »Baak« drin. Er schimpft dann manchmal. Im
Grund ist er aber froh, dass ich so ein guter
»Wasserhund« bin. Mit einem Wort: Ich bin gern in
Waldheim bei meinen Leuten. Ich weiß, dass sie alles tun,
damit es mir und meinem alten Cliff gut geht. Das will
ich ihnen auch gern wieder zurückgeben.
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